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Unsere Gemeinde - Unsere Kirche
Auf den ersten Blick: Wir sind miteinander Kirche und miteinander Kirche für andere.
Erstaunlich, wie viele sich engagieren und der Kirche ihr Gesicht geben.
Auf den zweiten Blick: Es könnte verwirrend sein, in welcher bunten Umgebung wir uns befinden.
Oder wir könnten auch sagen: Die Vielfalt in der Einheit macht uns lebendig.
Wir sind Partnerin von 3 katholischen Seelsorgeeinheiten, die alle mit uns ökumenisch
sehr aufgeschlossen und aktiv sind. Wir sind ebenso Partnerin
von vier politisch eigenständigen Kommunen, halten Kontakte
zu den Schulen und diakonischen Einrichtungen.
Und es wuselt nur so von Gruppen, Ehrenamtlichen und Aktivitäten.
Dürfen wir ihnen – ausführlich - unsere Kirche vorstellen?
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Die Johanneskirche
Die Kirche der Johannesgemeinde wurde im Jahr 1967 von Architekt
Friedrich Eberhard aus Freiburg gebaut und am Pfingstmontag
1968 eingeweiht. Die Kirche ist ein Glas-Beton-Bau im
Stil der 60er Jahre. Im Osten vor dem Altar, der Kanzel und
der Taufe sehen wir eine hohe Betonwand - zu Beginn mit einem
großen schlichten Holzkreuz geschmückt, heute mit
Altarbildern. Nach Süden und Westen gibt ein schmales Fensterband
unter dem Dach nicht nur Licht, sondern führt auch ein
Element der Leichtigkeit und des Schwebens in den Kirchenraum
ein. |
Eine große von senkrechten Streben gegliederte Fensterfront
öffnet die Kirche nach Norden. Ein weites, flaches Dach überspannt
den Kirchenraum und den angeschlossenen Gemeindesaal sowie das Foyer..
"Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder
unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!" (Psalm
36 Vers 8) In dieser Kirche ist weiter Raum für Menschen mit
ihren Sorgen und Hoffnungen, Zweifeln und Freuden, für Menschen
im Glück wie im Unglück, für Kirchenmitglieder, Mitglieder
anderer Kirchen oder auch Menschen ohne konfessionelle Bindung.
Die Kirche ist nach dem Evangelisten Johannes genannt (Matthäus,
Markus und Lukas waren in Freiburg zuvor schon vergeben worden.
Das Siegel der Pfarrgemeinde - vom Grafiker Herrn Müller-Edenborn
1985 gestaltet - zeigt darum in stilisierter Form einen Adler, das
Symbol des 4. Evangelisten. Gedenktag des Evangelisten ist der 27.
Dezember.
Die Weigle-Orgel wurde am Ewigkeitessonntag 1970 in Dienst
genommen. Sie hat zwei Manuale und 15 Register.
Zum Inventar der Kirche gehört die Taufschale, die zu Einweihung
1968 der Gemeinde von den Kindern des Kindergottesdienstes geschenkt
wurde. Das Abendmahlgerät wurde 1999 neu beschafft. Das Lesepult
kam im Jahr 2000 hinzu. Die Kirchenbeleuchtung wird seit 2002 erneuert.
Die Kirche ist während der Schulzeit in der Regel geöffnet
an Werktagen von 8 bis 18 Uhr. An Sonntagen auch vor und nach dem
Gottesdienst.
Die Altarbilder (1977) und das Altarkreuz (1984) von Gabriele
Heidecker
in der evangelischen Johannes-Kirche Merzhausen
von Pfarrer Hartmut Rehr, Merzhausen (1994)
I Der Ort (Kirchenraum)
II Die Entstehungsgeschichte
III Das Kirchenjahr
IV Altartücher, Antependien,
Altarbilder, Kanzelbilder
V Die Farben
VI Die Formen
VII Die Bilder
VIII Das Altarkreuz
Um Bilder zu verstehen, braucht es manchmal mehr, als nur die Bilder
zu betrachten. Oft ist es gut, etwas über den Künstler/die
Künstlerin und seine/ihre Absichten zu wissen und über
die Art, den Stil der Darstellung.
Auch der Ort, an dem ein Kunstwerk gezeigt wird, bestimmt mit, was
wir mit einem Kunstwerk verbinden. Der Kirchenraum ist ein geprägter
Raum, in dem eine lange Tradition gegenwärtig ist. Diese Tradition
bestimmt die Deutung von Kunstwerken mit. Sie ist also mitzubedenken,
wenn wir ein Kunstwerk verstehen wollen.
I Der Ort (Kirchenraum)
Als diese Kirche 1968 eingeweiht wurde, betrat der Besucher
einen Kirchenraum, der im Stil der Zeit mit Glas und Beton
erbaut war. In protestantisch, genauer: reformiert asketischer Strenge
war der Raum gestaltet. Zur Linken die hohe Fensterfront,
durch schmale Betonpfeiler und Rippen gegliedert. Zur Rechten die
Chor- und Orgelempore, weit in den Kirchenraum hineinragend.
Vorne der um zwei Stufen erhöhte Altarraum. Der
Altar gestaltet als Tischplatte auf Betonstützen,
geschmückt mit Antependien, Altartüchern
zu den Farben des Kirchenjahres. Solche Antependien bedecken nicht
den ganzen Tisch, sondern sind so über den Altar gelegt, dass
die Schauseite der Tücher, mit Symbolen zum Kirchenjahr, zur
Gemeinde hin hängt. Auf dem Altar sehen wir Kerzen und Bibel.
Links steht an den Altarraum angeschlossen die Kanzel,
ebenfalls mit Antependien geschmückt wie der Altar, rechts
vom Altarraum abgesetzt, unterhalb der Orgel der Taufstein
aus einem Betonkreuz als Sockel mit dicker runder Holzplatte als
Abschluss, in die die Taufschale eingelassen ist. Die Altarwand
hinter dem Altar ist leer bis aus ein großes schlichtes Holzkreuz,
das in der Mitte des Altars hängt. Die Gemeinde sitzt in parallelen
Stuhlreihen hintereinander in zwei großen Blocks,
die durch einen mit rotem Kokosläufer ausgelegten Mittelgang
getrennt sind.
Eine typisch asketische evangelische Kirche, in der alle Sinne
sich auf das Wort Gottes, auf das Wort vom Kreuz, konzentrieren
sollen, eine Kirche, in der die Sinne keine Ablenkung erfahren sollen
durch Äußerliches, an dem sie hängen bleiben könnten.
Unter dem hohen Betondach hat die Gemeinde ihre neue Behausung gefunden.
Einige Jahre wird so in dieser Kirche Gottesdienst gefeiert.
Diese ursprüngliche Gestalt der Kirche zu bedenken ist wichtig,
um zu begreifen, welche Veränderung sich mit den Altarbildern
vollzog.
II Die Entstehungsgeschichte
Pfarrer Schmidt lässt sich Anfang 1973 nach Tennenbronn versetzen.
Zugleich wird Merzhausen selbständige Pfarrei mit eigener Pfarrstelle.
Pfarrer Büchelin wird Pfarrer der Johannespfarrei Merzhausen
- und zugleich Jugendpfarrer in Freiburg.
Im Protokoll der ersten Sitzung des Ältestenkreises mit dem
neuen Pfarrer vom 27. Juni 1973 lesen wir unter Punkt 8 d):
"Ein Blickfang an der Altarwand ist wünschenswert.
Es hat sich ergeben, dass der Architekt der Kirche gegen eine künstlerische
Gestaltung beispielsweise in der Form eines Wandteppiches nichts
einwendet." Es sollten fast 4 1/2 Jahre vergehen, bis die
Altarbilder dann in der Kirche hängen. Wichtig aber bleibt,
daß quasi mit Dienstantritt Pfr Büchelin die Initiative
ergreift, die Altarwand neu zu gestalten.
Am 24. Oktober 1973 wird ein erstes mal ausführlich
im Ältestenkreis über die Gestaltung der Altarwand beraten
und dann taucht dieser Tagesordnungspunkt ein Jahr lang fast in
jeder Sitzung auf. Was die Ältesten und den Pfarrer bewegt
heißt im Protokoll so: "Der Ältestenkreis teilt
die von Pfarrer Büchelin so formulierte Auffassung, daß
das vorhandene Kreuz zu wenig Meditations- und Sammlungspunkt
für die große Wand ist. Auf der Suche nach geeigneten
Möglichkeiten hat sich ein kleiner Kreis mit Frau Heidegger
<sic!> unterhalten." Schon bei der ersten Beratung
fällt also der Name der Künstlerin. Aus den Unterlagen
geht hervor, dass der Kontakt mit ihr über den damaligen Organisten
Herrn Baumgratz vermittelt wurde.
Schon bei dieser ersten Beratung schlägt Herr Büchelin
vor, fünf Wandteppiche zu gestalten, die anstelle von
Altartüchern wie diese "auswechselbar aufgehängt
werden, wobei der in der Mitte hängende Teppich das jeweilige
Kirchenjahr <sic! gemeint ist die Kirchenjahreszeit> vertritt.
Damit wird das Kirchenjahr an der Wand symbolisch sichtbar
und die zu nüchterne Wand wird künstlerisch gestaltet."
Als Kosten werden ca. DM 20.000,-- genannt. - Der Ältestenkreis
lädt Frau Heidecker zu gemeinsamer Beratung ein.
Die Bilder in der Fassung, die wir heute sehen, sind Ergebnis
eines intensiven Beratungsprozesses im Ältestenkreis und
in der Gemeinde sowie natürlich mit der Künstlerin, die
mehrfach zu Gesprächen nach Merzhausen kommt.
Da die Vorstellungen der Künstlerin für das Verständnis
der Bilder besonders wichtig sind, zitiere ich noch einmal aus dem
Protokoll Ältestenkreises vom 30. Januar 1974, dem ersten
Gespräch mit der Künstlerin: Frau Heidecker "will
sich beim Lesen des Johannes-Evangelium und der Offenbarung des
Johannes inspirieren lassen. Für sie kämen allerdings
nur künstlerische Darstellungen infrage, die von den früher
üblichen, gegenständlichen Formen (Personen, Tiere, Landschaften)
abweichen und mehr in abstrakter Darstellungsweise zum Nachdenken
anregen sollen und die Grundgedanken zu den einzelnen Zeiten des
Kirchenjahres zum Ausdruck bringen."
Und am Ende des Jahres lesen wir: "Frau Heidecker erläuterte
ihre Entwürfe, zu denen sie sich von den Gedanken in Kapitel
1 des Johannes-Evangeliums inspirieren ließ. Sie erklärte
die von altersher in der Kunst gebrauchten Zeichen und Formen,
mit denen bestimmte Gedanken in übertragenem Sinne ausgedrückt
werden. In ihren Entwürfen sind sie entsprechend angewandt.
Dazu sprechen die verschiedenen Farben, die hellen und dunklen
Töne für den Beschauer eine verständliche
Sprache. Die abstrakten Darstellungen sollen zum Nachdenken anregen
und zu einer Schau nach innen veranlassen.."
Am 09. Juni 1975 beschließt der Ältestenkreis einstimmig,
"die Altarwand unserer Kirche mit den Bildwerken von Frau Heidecker
zu schmücken und sie zu erwerben. - Hierfür sollen die
vorgeschriebenen Genehmigungen eingeholt werden." Auch
das braucht seine Zeit. Immerhin schreibt das Kirchenbauamt in seiner
Stellungnahme: "Wir halten die Wahl der Künstlerin
für außerordentlich glücklich."
Infolge Erkrankung der Künstlerin und anderweitiger Verpflichtungen
ergeben sich weitere Verzögerungen. Aber am 1. Advent 1977
können die Bilder im Gottesdienst endlich ihrer Bestimmung
übergeben werden.Die Bilder aufhängen heißt
aber zugleich das Kreuz an der Wand entfernen. So wird im
Frühjahr 1976 erstmals in Erwägung gezogen, die Künstlerin
auch mit der Gestaltung eines Altarkreuzes zu beauftragen.
Das soll zwar bis zum 1. Advent 1977 geschaffen sein, aber vermutlich
haben finanzielle Probleme dafür gesorgt, dass der Ältestenkreis
erst im Januar 1984 dem Kauf des Kreuzes in der Glasschale
zustimmt. Finanziert wird es durch eine Spende des langjährigen
Kirchenältesten und Rechners Herrn Glück.
III Das Kirchenjahr
Eine erste Vorgabe für die Gestaltung der Altarbilder ist
das Kirchenjahr. Es hat sich in einer langen Geschichte zu seiner
heutigen Gestalt entwickelt. - Das Kirchenjahr ist nicht identisch
mit dem Kalenderjahr. Es folgt auch nicht den Jahreszeiten,
spiegelt sie nicht wider, obwohl die Jahreszeiten die Ausprägung
der einzelnen Feste mitbestimmt hat. - Das Kirchenjahr hat seinen
eigenen Ansatzpunkt und Neubeginn jeweils mit der Adventszeit.
Es versucht, die Zeit zu gliedern, zu strukturieren, unterscheidbar
zu machen. So wie der Sonntag sich vom Alltag abhebt oder doch abheben
sollte, so heben sich die Feste und Festzeiten der Kirche ab von
den Vorbereitungszeiten auf diese Feste. Andererseits klingen die
Feste immer noch eine gewisse Zeit nach. - Wir kennen das ja auch
aus unserem persönlichen Erleben von Festen im privaten und
familiären Bereich.
Das Kirchenjahr spiegelt ein Stück Heilsgeschichte wider.
In seiner heutigen Form teilt es sich in zwei große Bereiche,
das sog. Halbjahr des Herrn und das Halbjahr der Kirche.
Das Halbjahr des Herrn folgt der Lebensgeschichte Jesu und umfasst
die großen Christusfeste: Weihnachten und Ostern. Sie
sind die Ursprungsdaten des Kirchenjahres. Ihnen zugeordnet sind
als Vorbereitungszeiten die Advents-. und die Passions- bzw.
Fastenzeit. Zwischen beiden Festen steht das Erscheinungsfest,
Epiphanias, das alte Weihnachtsfest, wie es heute noch die Orthodoxen
Christen feiern.
Die Altarbilder in unserer Kirche zeigen zum Halbjahr des
Herrn ein Bild zur Adventszeit, ein Bild zur Weihnachtszeit (das
auch die Epiphaniaszeit anzeigt) und ein Bild zur Passions- und
Osterzeit.
Das Halbjahr der Kirche beginnt mit dem Pfingstfest
und ist von ihm her bestimmt. Trinitatis, das Dreieinigkeitsfest
am Sonntag nach Pfingsten, hat den folgenden Sonntagen in der evangelischen
Tradition ihre Bezeichnung gegeben. Herausgehobene Feste
in diesem zweiten Halbjahr sind das Erntedankfest, das Reformationsfest,
der Buß- und Bettag und das Ende des Kirchenjahres mit dem
sog. Toten- oder Ewigkeitssonntag.
Das zweite Halbjahr zeigen das Pfingstbild an, das bis zum Erntedankfest
in der Mitte über dem Altar hängt, und das Bild "Glaube
- Gemeinde - Ernte", das vom Erntedankfest bis zum Ende des
Kirchenjahres in der Mitte hängt.
Die Feste und Zeiten im Kirchenjahr bestimmen auch die biblischen
Lesungen in den Gottesdiensten. Für jeden Sonntag und für
jedes Fest gibt es Predigttexte, einen Wochenpsalm, einen Wochenspruch,
ein Wochenlied. Und jeder Festzeit und Vorbereitungszeit ist eine
bestimmte liturgische Farbe zugeordnet. Auf vielfältige Weise
also zeigt sich das Kirchenjahr denen, die am gottesdienstlichen
Leben teilnehmen.
IV Altarbilder / Altartücher / Antependien
Die Altarbilder spiegeln in ihren Farben die Zeiten des
Kirchenjahres wider. Altarbilder sind nichts neues. Wir alle kennen
geschnitzte oder gemalte Hochaltäre, teilweise mit Seitenflügeln,
die den Mittelteil verschließen können, und oft dann
noch einmal andere Bilder oder Schnitzwerke zeigen. Besonders ist
hier bei uns, dass die Altarbilder an der Wand hängen und wie
eine endlose Kette jeweils so umgehängt werden, dass das
Bild, das in der Mitte über dem Altar hängt, jeweils die
Kirchenjahreszeit anzeigt.
Der Hochaltar aber ist eher für katholische Kirchen typisch.
Das neue, andere Abendmahlsverständnis der Reformatoren verstand
den Altar als Abendmahlstisch, um den sich die Gemeinde versammelte,
um Brot und Wein zu teilen und Christus in ihrer Mitte zu feiern.
Von daher war der Altar in evangelischen Gemeinden ein einfacher
Tisch. Wenn man diesen Tisch schmücken wollte, - und das war
besonders zu den Festzeiten so -, dann legte man bunte, festliche
Tücher auf, eben die Altartücher, die selbst wieder
durch ihre Farbe die Kirchenjahreszeit anzeigen. Oft sind sie mit
Symbolen geschmückt, die zum jeweiligen Fest bzw. zur jeweiligen
Zeit passen.
Vom Altar sind die bunten, schmückenden Tücher dann auch
an die Kanzel gewandert, um auch dort die Zeit anzuzeigen.
Alte Kanzeln allerdings kennen solche Antependien nicht.
Sie sind oft selbst Bildpredigt durch Bilder oder Schnitzwerk, meistens
zur Christusgeschichte.
Auf diesem Hintergrund ist die Lösung zu verstehen, die mit
den Altarbildern in unserer Kirche gefunden wurde.
V Die Farben
Fünf Farben kennt das Kirchenjahr. Sie kommen wiederholt vor.
Violett ist die Farbe der Buße und Bereitung. Eine
ernste Farbe. Sie kennzeichnet unser Adventsbild. Sie zeigt
sonst auch noch die Passionszeit und den Buß- und Bettag an.
Weiß ist die Farbe der Christusfeste. Unser Weihnachtsbild
ist davon bestimmt. Sonst gehören dazu: Osterfest und Osterzeit
mit Christi Himmelfahrt.
Weiß verbindet sich in der Tradition mit Licht, Reinheit und
Vollkommenheit. Bei der Taufe ziehen die Täuflinge weiße
Kleider an. So wird Weiß zur Farbe nicht nur für Christus,
sondern auch für die, die an ihn glauben.
Schwarz ist die Farbe an Karfreitag, Karsamstag und am Totensonntag,
sofern man diesen Tag nicht von der Auferstehung her mit Weiß
kennzeichnet. Unser Passions- und Osterbild hat diesen dunklen
Rahmen.
Schwarz ist für uns die Farbe des Todes und der Trauer geworden,
die Farbe des Dunklen und Abgründigen und Bedrohlichen, - aber
auch wieder Kennzeichen von Fest und Feier - denken sie an das dunkle
Kleid und den schwarzen Anzug. Schwarz kann für beides stehen:
die Fülle des Lebens und den totalen Mangel an Leben.
Rot ist die Farbe der Kirche, des Geburtstages der Kirche
an Pfingsten und aller weiteren Kirchenfeste wie Konfirmation, Ordination,
Reformation oder Kirchweihfest. Unser Pfingstbild zeigt dieses
Rot.
Auch die Farbe Rot hat zwei Seiten. Einerseits steht sie für
Feuer, Wärme, Liebe, Leben, begeisterte Leidenschaft, Lebendigkeit,
Blut und Lebenskraft. Andererseits verbindet sich mit ihr aber auch
Blutvergießen, Krieg, unbezähmbare Leidenschaften, Hass
und Höllenfeuer.
Grün ist die Farbe der Hoffnung und bestimmt in der
Kirche die Epiphanias- und die Trinitatiszeit. Unser Bild "Glaube
- Gemeinde - Ernte" zeigt diese Farbe an.
Grün ist die Farbe des Pflanzenreiches, der Natur und Schöpfung,
die Farbe des Paradieses, erinnert an die Kraft des Wachstums und
steht für Leben, langes Leben, Hoffnung auf Unsterblichkeit.
VI Die Formen
Einige wenige Grundformen tauchen auf den Bildern immer wieder
auf.
Die auffälligste Form ist das Quadrat. Die Bilder selbst
sind quadratisch, aber diese Form taucht auf jedem Bild immer wieder
auf. Das Quadrat ist eine statische Form. Es zeigt ein klar begrenzte
Fläche und deutet damit an, dass es Teil, Ausschnitt eines
Größeren ist. Insofern kann es uns an die Vorläufigkeit
unseres Daseins erinnern, das wir immer nur ausschnitthaft wahrnehmen.
- Das Quadrat steht in der Gleichmäßigkeit seiner Proportionen
aber auch für Ordnung und Gesetzmäßigkeit von Raum
und Zeit
In der christlichen Tradition hat es einen besonderen Bezugspunkt
als Schnittfläche der beiden Kreuzesbalken. Im Quadrat sind
beide Dimensionen, die Vertikale und die Horizontale, gleichgewichtig
vorhanden.
Die Tradition ordnet dem Quadrat die materielle Seite des Lebens
zu und sieht in ihm ein Sinnbild der Erde.
Im Gegensatz dazu ist der Kreis Sinnbild des Himmels und
die geistige Seite des Lebens ihm zugeordnet. Die unendliche Kreislinie
ohne Anfang und Ende und der Kreislauf der Zeiten haben ihn zu einem
Symbol für die Zeit, besonders für die Unendlichkeit,
die Ewigkeit werden lassen, für Vollkommenheit, für das
Absolute, für die Einheit.
Das Quadrat im Kreis und der Kreis im Quadrat mögen uns an
die Quadratur des Kreises erinnern, die unmögliche und
doch notwendige Möglichkeit Unvereinbares zu vereinen.
Das Dreieck, besonders als gleichseitiges Dreieck, erinnert
in der christlichen Tradition an den dreieinigen Gott.
Wellen und Wogen kommen auf einigen Bildern vor. Ihre positive
Bedeutung liegt in der Bewegung, Bewegtheit und Lebendigkeit. Ihre
negative Bedeutung ist die nicht mehr zu beherrschende Kraft von
Urgewalten, wie sie uns von haushohen Wellen auf den Ozeanen bekannt
ist.
VII Die Bilder
Von der Künstlerin Frau Heidecker gibt es einige Erläuterungen
zu ihren Bildern. Aus ihrem Begleitschreiben von 1975 lässt
sich nochmals ein interessanter Einblick in ihr Denken gewinnen.
Sie schreibt: "...hier endlich die Texte zu den Bildern
- sie niederzuschreiben - die so oft schon gesprochenen Worte,
hat mir einige Mühe gemacht, zumal ich jetzt die Bilder
selber nicht vor mir habe, aus denen auch mir, jedesmal ein neuer
Einstieg kommt.... Ich habe versucht in vorläufig noch
nicht abgeschlossenen Formulierungen einige Gedanken aufzuzeigen,
die ich durch den Text, den mir daraus entstandenen Bildern und
bei dem Betrachten der entstandenen Bilder damals hatte und heute
in der Erinnerung konstruiert habe." Auch für die
Künstlerin sind ihre Bilder also Nach-Denk-Bilder, Meditationsbilder,
die immer wieder neu bedacht, betrachtet, erschlossen werden wollen,
die immer noch einmal anders und neu gedeutet werden wollen.
Wer die Bilder bedenken will, braucht im wahrsten Sinne des Wortes
die An-Schauung. Darum ist es gut, sich selbst Zeit zu nehmen,
die Bilder zu betrachten und zu bedenken. Wer einen eigenen Zugang
zu diesen Bildern sucht, der lese zuerst das 1. Kapitel des Johannesevangeliums,
und betrachte dann die Bilder.
Die folgenden Gedanken sind nur ein erster Versuch, sich der Botschaft
dieser Bilder zu nähern. Von Pfarrer Büchelin und Herrn
Dr. Holzapfel gibt es Ausführungen zu den Altarbildern,
die in der Kirche in einem Ringbuch ausliegen und auch im Pfarramt
erhältlich sind.

Advent
Adventszeit ist Zeit der Erwartung, Zeit des Werdens,
Neues entsteht und wächst.
Adventszeit ist Zeit der Bereitung, Zeit der Buße.
Ein Vor-lauf, der auf Wichtiges hinweist und wartet.
Der dunkle Rahmen des Bildes ist wie eine Bildmaske,
die zudeckt und nur einen Teil sehen lässt.
Die Lichtkreise im dunklen Rahmen erlauben einen Einblick,
gewähren einen Durchblick und Aus-Blick.
Dies Bild ist ein Bild voller Dynamik.
Es kommt etwas in Bewegung.
Wenn wir uns die breiten, vorgelagerten Wellen oder Schlangenlinien
einen Augenblick wegdenken,
dann haben wir ein ruhiges Bild vor uns.
Vier konzentrische Kreise sind um die Bildmitte geordnet.
Sie sammeln und konzentrieren unseren Blick,
führen ihn von außen nach innen,
vom äußeren großen Quadrat,
dem der große Kreis eingezeichnet ist,
über die kleineren Kreise
bis zu der dunkelblau bis weiß gefärbten Kugel,
dem blauen Planeten, der Erde.
Weit unter dem blauen Planeten im inneren Quadrat unten
sehen wir kleine unruhige Wellen,
die schöpferische Urflut des Wassers,
bewegende Grundlage allen Lebens.
Unter den Wellen herrscht tiefes Dunkel, braun, fast schwarz.
Von oben ragen dreifach sich überlagernde,
gegen die Mitte versetzte Kreise ins Bild.
Es ist nach oben offen.
Was von oben, aus dem Himmel Gottes kommt,
berührt den blauen Planeten.
Wie ein Band oder wie großen Wellen
überlagert eine gegenläufige Bewegung mit harmonischem
Schwung
die Kreise in der Horizontale.
Das Lichtband überschreitet nach links die Grenzen der Kreise
und Quadrate.
In der Vertikale bäumt sich eine große Bewegung,
eine Welle, eine Schlangenlinie auf,
dunkel unten und oben,
und hat doch auch helle Seiten.
Sie ist zweigeteilt um die Mittelachse des Bildes.
In der Tiefe des Bildes, der blaue Planet, scheint unberührt
davon.
Auch hier eine grenzüberschreitende Bewegung nach oben und
nach unten.
Vor dunklem Hintergrund und dunkler Tiefe
zeigt sich ein Lichtstreifen in der Mitte des Bildes.
Gottes Welt und unsere Welt überschneiden sich.
Die Ewigkeit zeigt sich in der Zeit.
Das Licht des Lebens zeigt sich in den Grenzen der Erwartung,
der Hoffnung, des Advents, menschlichen Lebens.
Da will etwas ankommen bei uns.
Da will einer ankommen bei uns.
Da tritt etwas aus dem Dunkel der Gegenwart ins Licht neuer Zukunft.
Da ist etwas in Bewegung gekommen.
Neues kündigt sich an.
Verschließen wir uns nicht.
Grenzen wir uns nicht ab.
Öffnen wir uns dafür.

Weihnachten
Die Botschaft von Weihnachten heißt:
Gott wird ein Mensch.
Gottes Liebe wird geboren.
Ein lichtes Kreuz ist über das Bild gelegt,
bis an den Rand und über ihn hinausreichend.
Das Kreuz dieses Lebens beginnt mit der Geburt.
Der Anfang ist schon vom Ende überlagert.
Und vom Ende her sehen und deuten wir den Anfang.
Kein zweites Bild ist so von Helligkeit bestimmt.
Die dunklen, blauen Schichten unten
bilden so etwas wie eine dunkle Folie,
von der sich der große, lichte Kreis abhebt.
Auf einer schmalen, dunklen Lebenslinie
in der Mitte des Bildes von links nach rechts oder umgekehrt
drängen rote Energien zur Mitte - oder etwa von der Mitte nach
außen?
Rot, Blut-Rot, Zeichen des Lebens, Sitz des Lebens.
Rot, Blut-Rot, Zeichen des Todes, vergossenes Blut.
Jesus Christus, ein Mensch aus Fleisch und Blut.
Der da geboren ist, wird sterben müssen wie wir.
Aber zugleich gehen Ströme des Lebens von ihm aus.
Eine Schneckenform oder Spirale führt
von dem kleinen roten Kreissegment in der Mitte ausgehend
in großem Bogen nach außen.
Da will sich etwas entfalten, entwickeln, ent-äußern.
Was sich da in der Mitte des Bildes zeigt, ist Licht.
Christus ist das Licht.
Christus ist die Gnadensonne, wie wir im Weihnachtslied singen.
An der Wintersonnenwende,
am Tag des Sol invictus,
des unbesiegten Sonnengottes der Römer,
feiern wir die Geburt des Lichtes,
das diese Welt erhellt und durchdringt,
Licht von Gott, Licht für die Welt, Christus-Licht.
Von oben her, von Gott her,
ist dieses Licht in diese Welt gekommen
und breitet sich nun in alle Richtungen aus.
Im unteren Teil des Bildes können wir das besonders gut erkennen.
In Jesus Christus hat Gott es hell gemacht in dieser Welt.
In Jesus Christus hat er uns ein Licht aufgesteckt,
das allen Menschen leuchten will.

Passion - Ostern
Dunkel eingerahmt ist die Welt,
schwarz umgrenzt der Raum.
Aber im Tod ist Leben.
"Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell",
scheint das Leben hell.
Von oben her erhellt ein Lichtstreifen das Dunkle.
Die helle Mitte zeigt sich wie ein offenes Fenster,
Am hellsten, lichtesten ist es in der Mitte, im Kreuz.
Von ihm aus fällt ein breiter Lichtstrahl ins Dunkel.
Das Kreuz ist ein Lichtblick und gibt Durch-Blick.
Das Wort vom Kreuz öffnet uns die Schrift noch einmal neu.
Die helle Mittelfläche lässt sich auch als ein geöffnetes
Buch verstehen -
mit dem Kreuz im Zentrum.
Was am Kreuz geschieht, ist einmalig, klar umgrenzt.
Darum kennt dies Bild auch keinen Kreis der ewigen Wiederkehr,
kein unendliches sich Wiederholen.
Dieses Kreuz steht ein für allemal
über dem Dunkel der Menschheitsgeschichte
und wirft ein bezeichnendes Licht auf diese Welt.
Vom Kreuz her fällt Licht in diese Welt.
Vom Tod Jesu Christi her erscheint die Welt in einem anderen Licht
und das Kreuz selbst liegt im Lichtstrahl des lebendigen Gottes.
Mindestens dreifach sind dreieckige Lichtfelder über - bzw.
untereinander angeordnet.
Über ihnen, über dem Kreuz der Davidsstern
verweist auf die Geschichte des Gottessohnes
als Geschichte eines Menschensohnes,
als Geschichte zu einer bestimmten Zeit,
an bestimmtem Ort,
als Teil eines bestimmten Volkes,
Teil des von Gott erwählten Volkes Israel.
Die Lebensgeschichte des Gekreuzigten ist davon nicht zu trennen.
Wie auf dem Adventsbild geht ein breites Band,
eine breite Bahn und Bewegung von unten nach oben über das
Bild.
Sie gibt dem Bild Tiefe und Perspektive,
bringt Dynamik hinein,
nimmt ihm Starrheit.
Die Bewegung führt nach oben.
Die Formen am oberen Rand erinnern vielleicht an die neue Stadt,
die Stadt im Licht Gottes, das himmlische Jerusalem.
Jedenfalls entfaltet sich dort,
was den Weg durch Licht und Finsternis genommen hat.
Ein Bild, ein Symbol vielleicht für den Weg Jesu
und für unseren Weg.
Das Leben führt uns zum Tod
und findet im Tod das Leben.
Geheimnis des Glaubens.
Leben gibt es nicht ohne Sterben.
Der Tod ist die dunkle Folie für das Leben.
Das Leben ist die helle Folie für den Tod.
Beides miteinander kennzeichnet unser Leben.
Die Mitte aber ist Leben im Licht des Kreuzes.
Das Dunkle ist an den Rand gedrängt.
In den Begrenzungen unseres Lebens finden wir beides.
Und um die helle Mitte herum wächst bereits neues Leben,
aus dem Dunkel heraus fängt es an zu grünen.
Das Leben hat dem Tod die Macht genommen.
Ostern ist die Kehrseite von Karfreitag.

Pfingsten
Der Geist ist die Macht und die Kraft, die von oben kommt, von
Gott.
Da werden die engen Grenzen aufgesprengt.
Da wird die quadratisch begrenzte Welt nebensächlich.
Kreisformen sind zu entdecken, aber nicht zu vollenden.
Alles ist unruhig, in Bewegung, in Aufbruchsstimmung.
Vorne, unten ist deutlich der Umriss einer Gestalt, eines Kopfes
zu sehen,
und dann noch einmal schattenhaft in der Mitte.
Wie in die Zange genommen,
von einem mächtigen Geschehen umschlossen,
erscheint der Mensch und das vielschichtige Leben, das ihn umgibt.
Feuerflammen lodern hoch auf.
Das Feuer des Lebens brennt,
das Feuer des Geistes.
Der Mensch wird von Gott her Feuer und Flamme für die Sache
Jesu Christi,
wird ein Mensch, der in seinem Geist lebt, im Geist Gottes.
Das Feuer ist nicht mehr äußerlich wie bei der Feuersäule,
die Israel beim Zug durch die Wüste in der Nacht des Lebens
den Weg weist.
Dieses Feuer brennt innerlich
und will in der ganzen Breite unseres Lebens gelebt werden.
Einen schwach abgesetzten breiten Streifen
hat die Künstlerin mitten über das Bild gelegt.
Der Querbalken des Kreuzes verbindet Christus mit uns Menschen,
so wie der senkrechte Balken Himmel und Erde verbindet.
Der Geist Gottes führt uns in das Leben mit anderen Menschen.
Da geschieht Kommunikation, Bewegung, ein dynamisches Geschehen.
Das mächtige Rot
lässt uns aber nicht nur Feuer und Flamme sein für die
Sache Jesu Christi,
es nimmt uns auch hinein in die Geschichte der Kirche,
die mit dem Blut der Märtyrer, der Glaubenszeugen,
geschriebene Lebensgeschichte der Kirche.
Diese Geschichte umgibt uns.
In sie sind wir eingespannt.
"Eine Wolke von Zeugen umgibt uns".
wie es einmal im Hebräerbrief heißt.
Im Blut sind Leben und Tod vereinigt.
Das Blut galt den Alten als Sitz des Lebens.
Das vergossene Blut bringt den Tod.
Aber das vergossene Blut Christi und der Märtyrer des Glaubens
bringt zugleich neues Leben hervor, neuen Glauben.
Das alte mythische Verständnis des Opfers steht im Hintergrund.
Die Lebenskraft des Blutes geht nicht verloren,
sondern wird Quellgrund und Boden neues Lebens.
In einem Volk aber,
in dem die Verbindung von Blut und Boden
zur Passion von Millionen Unschuldiger wurde,
könnte auch deutlich sein,
welche tödlichen Folgen
ein solches mythisches Verständnis des Blutes hat.
Der christliche Glaube sagt: in Christus ist unser Heil.
Sein unschuldig vergossenes Blut reicht - ein für allemal.
Es braucht keine Opfer mehr.
Es braucht kein Blut mehr.
Christen sind Menschen,
die sich dafür einsetzen,
dass kein Blut mehr fließt,
dass kein Mensch mehr geopfert wird
sei es auf unsren Straßen
oder für eine Ideologie.
Christen sind zugleich Menschen,
die lieber ihr eigenes Blut und Leben opfern
als das anderer Menschen.
Es ist der Geist Jesu Christi,
der Menschen bewegt bis auf diesen Tag.
Das Rot ist aber auch die Farbe der Liebe,
einer gelingenden, glücklichen Kommunikation.
Die Kommunikation führt zur Kommunion,
zum Miteinander teilen,
zur Gemeinschaft untereinander und mit Gott,
Gemeinschaft im Geist Gottes, im Geist Jesu Christi.
Liebe bleibt nicht für sich,
sondern drängt über sich hinaus
und meint ein DU.
Liebe bringt in Bewegung wie Gottes Geist.
Liebe ist Gottes Geist in Bewegung.
"Ach, dass doch bald dein Feuer brennte,
du unaussprechlich Liebender",
heißt es im Gesangbuch.
Feuer zerstört, nicht aber das Feuer des Geistes Gottes.
Der brennende Dornbusch, den Mose sieht,
der brennt, aber nicht verbrennt,
er steht für ein Feuer, das nicht zerstört,
Feuer, das von Gott kommt,
und Menschen erfasst
und Feuer und Flamme sein lässt
für die Sache Gottes.
Feuer der Liebe.
Pfingstfeuer.

Glaube - Gemeinde - Ernte
Drei Quadrate sind ineinandergelegt
Ganz unten schwingen Wellen.
dahinter ein Kreis in der Mitte.
Waagerechte Streifen gliedern das ganze Bild.
Licht fällt von oben wie durch einen Schacht.
Blau und Weiß kommt es von jenseits des Bildes,
drängt sich ins Bild, ins Rot.
Oben das gleichseitige Dreieck des dreieinigen Gottes,
darunter eine Figur, wie ein stilisierter Christus am Kreuz,
Christus im Rot, in der Mitte der Kirche.
Das Rot nimmt die Gestalt einer geöffneten Blüte oder
Frucht an.
Die tiefgrüne Schale in der Mitte
trennt den roten und weißen Bereich voneinander.
Ein heller, grün getönter Kreis liegt darin.
Ein weiterer, größerer Kreis umgibt ihn.
Oben ist noch ein weiteres, größeres Dreieck angedeutet.
Es weist über den Rand des Bildes hinaus.
Es ergänzt sich spiegelbildlich zu einem Dreieck, das die Schale
trägt.
Die Tradition sieht in den spiegelbildlichen Dreiecken
Symbole des Weiblichen (unten) und des Männlichen (oben).
Ein symmetrisches Bild, es vermittelt Ruhe, Ausgewogenheit,
links und rechts, Herz und Hand, Gefühl und Verstand
stehen im Gleichklang, in Entsprechung zueinander.
Grün ist die Kraft des Lebens, die Frucht des Lebens,
das Zeichen des Wachstums und der Mehrung.
Das Feuer des Geistes und der Gemeinschaft ist wie ein Frucht,
in deren Mitte der gekreuzigte und auferstandene Christus
zum Segen wird für die Welt,
so dass Glaube und Gemeinschaft wachsen,
wie es in den doppelten grünen Bögen nach oben hin angedeutet
ist.
Hier ist eine neue Form über Kreise und Quadrate gelegt.
Die begrenzte Welt der Quadrate und die ewige Wiederkehr des Kreises
werden nicht ausgelöscht oder übergangen.
Aber eine neue Form, eine neue Frucht wäschst da,
nimmt Kreise und Quadrate auf,
lässt ihnen ihr eigenes und integriert sie doch.
Da sind unten wieder die großen Wellen des Wassers,
des Lebens, des Urgrundes der Taufe.
sie führen hinüber zum Adventsbild,
mit dem das Kirchenjahr wieder neu beginnt.
Und oben ein offener Himmel,
himmelblau und licht kommt es von oben
und weist uns weit über die Grenzen unserer Welt hinaus
auf den, der in Christus in unserer Welt ist
und zugleich ganz außerhalb.
Im Lichtstrahl Gottes
wächst die Gemeinschaft in Christus durch den heiligen Geist.
Der dreifach erfahrbare Gott ist einer:
Schöpfer, Erlöser und bewegende, heilende Kraft unseres
Lebens.
Darum ist das Dunkel des Lebens in dieser Welt
ganz zurückgedrängt in die unteren Bereiche des Bildes.
Grün, Farbe der Frucht, Farbe der Hoffnung.
Die Frucht des Todes Christi ist unsere Gemeinschaft.
Mit Brot und Wein,
den Früchten des Feldes und der menschlichen Arbeit,
feiern wir den Kreuzestod Jesu und seine Auferstehung in unserer
Mitte,
in unserer Gemeinschaft,
wenn wir Brot und Wein teilen,
dann sind wir miteinander sein Leib,
verkörpern ihn in dieser Welt.
Das Abendmahl ist Auferstehungsfeier.
So feiert unser Glaube den Sieg des Lebens über den Tod
und lässt Hoffnung wachsen.
So lassen wir uns vom Geist Gottes
hineinnehmen in die Bewegung des Lebens Jesu,
damit auch bei uns Leben aus Gott wächst,
Hoffnung, die sich dem offenen Himmel Gottes entgegenstreckt.
VIII Das Altarkreuz

Auf einer Glasplatte steht eine Glasschale,
Steine liegen um sie herum.
Umgeben von einer steinigen Welt
zeigt sich uns die zerbrechliche Schale neuen Lebens,
durchsichtig auf das hin, was sie trägt,
was sie in sich birgt:
ein Kreuz.
Das Motiv kennen wir aus dem Erntebild.
Die dunkelgrüne Schale in der Mitte mit der Christus-Figur
und dem zart eingezeichneten Kreuz.
So auch hier.
In einem Glasbrocken verankert sehen wir ein zierliches Kreuz,
fast durchsichtig, labil, leicht zu verbiegen.
Und wie oft ist dieses Kreuz missbraucht worden.
"In diesem Zeichen wirst du siegen" -
damit begann das konstantinische Zeitalter der Kirche,
das nun endlich langsam zu Ende geht,
Missbrauch des Kreuzes durch die Macht und die Mächtigen.
Das ist die Wahrheit dieses Kreuzes:
es kann verbogen und missbraucht werden.
Es steht in unserer Hand,
ob wir es stehen und gelten lassen als das, was es ist,
Hinweis auf die unscheinbare Gegenwart Gottes in unserer Welt.
Die großen, starken Holzkreuze
wie früher eins in dieser Kirche hing
verdunkeln eher die Zerbrechlichkeit des Lebens
und die Ohnmacht des Kreuzes.
Das Kreuz, der Ort, an dem menschliches Leben zerbrochen wurde,
gewalttätiger Ort, tödlicher Ort,
ist doch zugleich der Ort,
wo Gott sein Leben, seine Liebe offenbart,
öffentlich gezeigt und zur Schau gestellt hat.
Die Ohnmacht Gottes am Kreuz ist seine Liebe,
Aber diese Liebe ist zugleich Anfang neuen Lebens.
Sie sucht Menschen,
die sich anziehen und anstecken lassen von diesem Geist,
der nichts, aber auch gar nichts mit Gewalt will,
der sich lieber selbst verbiegen und kreuzigen lässt,
als auch nur einen Mit-Menschen zu verbiegen und zu vergewaltigen.
So wächst um dieses Kreuz neues Leben in lockeren Spiralen.
Ein offenes Zeichen nach oben zu Gott hin
und nach den Seiten zu den Menschen hin,
Zeichen der Gemeinschaft in Christus.
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